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„We suffer." Christians from Israel PDF Print E-mail
Written by Administrator   
Wednesday, 17 August 2005
Foto: Inga Rapp reportage (in German) on Christians from Israel who came to World Youth Day.
- you may buy the publishing rights of this story for your publication, it is originally written for the "tageszeitung" (taz), Berlin.

„We suffer. We cannot do anything“
Eine Gruppe arabischer Christen aus Israel ist zu Gast in Opladen

„Wir sind eine Minderheit innerhalb einer Minderheit.“ Anan, 30, kommt aus Nazareth. Die Geburtsstadt Jesu liegt im israelischen Teil Israels. Anan ist Araber – und Christ. Als Araber gehört er zu einer Minderheit in Israel. Und als Christ gehört er zu einer Minderheit unter den Arabern. In ganz Israel leben 1,3 Millionen Araber, das sind etwa 20% der dortigen Bevölkerung. 116.000 davon sind Christen.

Zum Weltjugendtag nach Köln ist er nicht alleine gekommen. 20 seiner Schüler und eine Kollegin begleiten ihn. „Wir wollen gemeinsam mit dem Papst beten. Wir wollen ein Teil dieses Ereignisses sein – und auch hier sind wir wieder Teil einer Minderheit.“ Unter den mehr als 400.000 Pilgern, die zum Weltjugendtag kommen, sind nur 114 aus Israel.

Bildung als Waffe


Bis vor vier Jahren lebten Christen und Muslime in Nazareth friedlich zusammen, erzählt Anan, dann begann der Streit um den Bau einer Moschee direkt vor der Verkündigungskirche. Die Christen glauben, daß an dieser Stelle der Engel Gabriel Maria die Botschaft ihrer Empfängnis überbrachte. Die Muslime glauben, daß an derselben Stelle Shihab Al-Din, ein Cousin des arabischen Helden Aladin, begraben liegt.
Ergebnis: „Muslime und Christen bekämpfen einander.“ Anan berichtet von verbrannten Autos und zerschlagenen Wohnungseinrichtungen. Allerdings betont er, daß nicht alle so sind. „Die meisten Araber mögen uns, wir sprechen dieselbe Sprache. Aber seit 2001 ist nichts mehr, wie es vorher war. Hier gilt nur noch das Gesetz des Dschungels. Du mußt stark sein. Wenn Du nicht stark bist, dann geh zur Seite und halt den Mund.“ Anan seufzt. „Ich hasse das. Ich fühle mich wie ein Handicap.“ Überflüssig, störend, lästig. Aber auf demselben Niveau zurückschlagen und ebenfalls gewalttätig werden, das möchte er nicht. „Wir können nichts tun. Der einzige Weg für uns ist es, zu lernen und zu studieren. Wir müssen Teil der akademischen Welt werden.“ Bildung als Waffe gegen die Brutalität der Straße.

Das heilige Land

Viele Christen liebäugeln damit, das Land zu verlassen, erzählt Anan. Auch er hat darüber nachgedacht. Doch er blieb. Seine Mutter wäre sonst alleine gewesen, nachdem sein Vater starb. „Ich liebe mein Land, aber ich verstehe die Menschen nicht, die hier leben.“ Und vor allem versteht er nicht, wieso er als Christ diskriminiert wird. „Sie können doch nicht vergessen, was wir für sie getan haben.“ Schulen und Krankenhäuser – auch Muslime nutzen die christlichen Einrichtungen gerne. An Anans Schule, der Salvatorian Sisters' Greek Catholic School in Nazareth, sind nur 85% der Schüler Christen. „Das ist das Gegenteil des wirklichen Lebens.“

„Das ist das heilige Land. Wir schaffen es, in diesem Land zu leben. Wir müssen in diesem Land leben, denn es ist unser Land. Ich ertrage es einfach. Aber ich frage mich, ob es tatsächlich meine Art zu leben ist. Ich muß stark sein.“

Er ist stolz, beim Weltjugendtag mit dabei sein zu dürfen. Und auch seine Schüler genießen die Zeit. „Hier können sie laut schreien, tanzen und rennen, ohne Angst haben zu müssen. Wir fühlen uns zu Hause hier.“ Hier, das ist im Moment ein Klassenraum in der Opladener Marienschule, wo sie freundlich aufgenommen wurden. Anan will den Kontakt zwischen den Schulen weiter ausbauen. „Ich werde sie zu uns einladen.“
Last Updated ( Monday, 29 August 2005 )
 
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