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"Even" journalists overwhelmed by pilgrimage's spirit PDF Print E-mail
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Saturday, 13 August 2005
Inga Rapp, Jahrgang 1977
Foto: Peter Rapp
"Even" some journalists were overwhelmed by the spirit of the pilgrimage to Cologne with the WYD cross. pulitzer.de-reporter Inga Rapp was planning to write a reportage about the pilgrimage, but she gave up, being personally touched too much. Now she has written a personal account. You can read it here. Contact us, if you would like to publish it on your site or in your paper or magazine - we translate it for you if necessary.

pulitzer.de-Reporterin Inga Rapp wollte eigentlich eine Reportage schreiben über die Wallfahrt des Weltjugendtagskreuzes von Dresden nach Köln. Aber daraus wurde nichts. Zu sehr war sie persönlich berührt und ergriffen. Sie hat nun ein persönliches Tabuch geschrieben. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie ihren Bericht veröfffentlichen wollen.


„Einer hat uns angesteckt...“ Immer noch singt es in mir. Immer noch bin ich von einer seltsamen Ruhe erfüllt und einem Gefühl des Vertrauens. Nachwirkungen eines ganzen Tages im Schatten des
Weltjugendtags-Kreuzes.


ImageDie 34. Etappe war es, der ich mich anschloß. 22 km Fußweg von der Abtei Marienstatt bis zum Wallfahrtsort Marienthal im Westerwald. Irgendwo dazwischen liegt die Grenze zum Erzbistum Köln. Das Kreuz wird bald angekommen sein, die 40tägige Wallfahrt von Dresden nach Köln unter dem Motto „kreuzspuren“ ist dann beendet.


Latein im Morgengrauen


Mittwoch, 10. August. Der Tag beginnt mit dem Morgengrauen und mit einer dicken Portion Latein. Die Zisterzienser-Mönche in der Abtei Marienstatt feiern die Feste, wie sie fallen. In diesem Fall mittels lateinischem Hochamt. Es ist wunderschön, die Mönche singen zu hören. In der kleinen Kirche herrscht eine eigenartige Atmosphäre. Ich fühle mich ein wenig ausgeschlossen, weil ich nicht mitbeten kann. Die mir fremde Sprache schafft seltsame Distanz, nicht einmal das Vater Unser geht ohne einen Blick ins Gebetbuch. Und über allem steht dieses schlichte Holzkreuz dort vorne am Altar. Fast vier Meter hoch, fast 40 kg schwer, vor mehr als 20 Jahren der Jugend der Welt vom Papst geschenkt, seitdem fast ständig durch die ganze Welt unterwegs, in Deutschland getreulich von der Malteser-Jugend begleitet.


Ich habe vorher nie verstanden, was für ein Hype um dieses Kreuz gemacht wird. Die Idee einer 40tägigen Wallfahrt ist sicherlich nicht schlecht, schließlich gibt es auch vor Ostern und vor Weihnachten 40 Tage Vorbereitungszeit, aber muß denn immer dieses Kreuz im Mittelpunkt stehen? Was ist daran so besonderes? Am Abend werde ich sagen, daß ich beginne, die Faszination zu verstehen. Aber bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor mir.


ImageEine Prozession geleitet das Kreuz nach draußen, ins Licht der Morgensonne. Vorneweg die Zisterzienser. Sie geben uns das Geleit bis vor die Tore der Abtei, dort verabschieden sie sich – von uns mit einem Lächeln, vom Kreuz mit einem Kuß auf das rauhe Holz.


Wir ziehen alleine weiter. Wir, das sind etwa fünfzig Leute. Natürlich die Pilgergruppe unter der Leitung von Simone Honecker, Referentin für Glaubensbildung der af (Arbeitsstelle für Jugendseelsorge)j, etwa 25 Mitglieder der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), unschwer erkennbar an den gelben Magnifikat-Schals, Weihbischof Gerhard Pieschl aus dem Bistum Limburg und etwa 20 Menschen aus Marienstatt und Marienthal.


Wanderung oder Wallfahrt?


ImageIn den ersten zwei Stunden gleicht die Wallfahrt eher einer Wanderung. Wir unterhalten uns, im Mittelpunkt steht die organisatorische Vorbereitung auf den Weltjugendtag. Wer schläft wann wo, wie sehen die Essensmarken aus, welche Brücken werden wann gesperrt und wird eigentlich alles rechtzeitig fertig sein? Es herrscht allgemeine Hektik, zu vieles ist noch unerledigt. Der einzige Unterschied zu einer normalen Wanderung ist das Kreuz, das voran getragen wird. Ich gebe zu, ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wie man eigentlich fast 40 kg Kreuz geschickt transportiert, aber die Idee, Nackenhörnchen unterzulegen, erscheint mir logisch – und so verblüffend einfach...


Mittagspause in Kroppach. In der kleinen Kirche werden wir sehr freundlich von der (evangelischen!) Pfarrerin begrüßt. Auf dem Hof stehen Biertische und -bänke, wir packen die Rucksäcke aus. Die Malteser sind mit einem Kleinbus gefahren und sorgen für ausreichend Wasser, Bananen und Brot. Nun mischen sich auch die Gruppen ein wenig untereinander. Dagmar (22), KJGlerin aus Leverkusen, erzählt mir, warum sie bei dieser Wallfahrt mit dabei ist. „Ich finde es toll, in diesem ganzen Weltjugendtags-Overflow sich mal ein bißchen auf das wesentliche zu besinnen.“


Das wesentliche


ImageDas wesentliche, das ist der Glaube, der hier alle verbindet. Das schwere Holzkreuz macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes „anfaßbar.“ Als ich es selbst ein Stück trage, spüre ich das ganz deutlich. Das Gewicht drückt mich fast zu Boden, meine Schulter scheint trotz dämpfendem Nackenhörnchen im ersten Moment zu zerbrechen. Wie soll ein einzelner Mensch einmal ein solches Kreuz auf den Berg Golgatha geschleppt haben? Auf einmal wird lebendig, was ich jedes Jahr Karfreitag höre. Passion.


Eine Viertelstunde Schweigemarsch fällt angesichts solcher Gedanken nicht schwer. Und auf einmal ist all die Hektik, das Chaos und die Weltjugendtags-Vorbereitung ganz, ganz weit weg. Mein Hirn begreift, daß mein Handy aus ist, das Internet unerreichbar, und daß es jetzt um mich geht, um mich ganz persönlich. „Ein jegliches hat seine Zeit“, steht im Buch Kohelet. Jetzt ist meine Zeit. Zeit für mich.


Irgendjemand stimmt das Taizé-Halleluja an. Ich stimme begeistert ein. Singen tut so gut... Die Sonne strahlt vom Himmel, wir haben die Asphaltstraßen verlassen und wandern nun durch Wiesen und über Felder, Lied auf Lied folgt... „Großer Gott wir loben Dich.“ Nun singen wirklich alle mit. Ich fühle mich eins. Eins mit der Gruppe, mit der Natur um mich herum, eins mit mir. Kein Nachdenken mehr, einfach nur noch Gefühl. Fast unmöglich, es in Worte zu fassen...


Arno (29), Student aus Köln, versucht es. „Glauben bedeutet für mich Gemeinschaft erfahren und erleben, ich weiß mich geborgen. Gott verläßt mich nicht, und das gibt mir Hoffnung und Zuversicht.“ Ja, hier in diesem Wald, auf diesem steinigen Schotterweg, da ist der Glaube auf einmal lebendig.


Suchen und Fragen


Und auch die Gespräche werden lebendiger, tiefgehender. Das fast alltäglich gewordene Christen-Bashing kommt zur Sprache. Wie geht man mit Menschen um, die nicht „Frohe Weihnachten“ wünschen sondern „Schöne freie Tage und möglichst wenig zu tun mit dem ganzen christlichen Quatsch?“ Was antwortet man auf die Frage, warum man freiwillig Mitglied einer „Verbrecherorganisation“ ist? Wieso soll ich im Jahre 2005 die Verantwortung für die Inquisition des Mittelalters übernehmen? Wie sinnvoll ist es, Kreuze aus Klassenzimmern zu verbannen? Muß die Trennung von Kirche und Staat zwangsläufig bedeuten, daß Glaube zu etwas wird, was nur noch in den vier eigenen Wänden stattfinden kann, schön weitab von der Welt, versteckt und hinter verschlossenen Türen? Wieso fühlen sich Menschen dadurch bedroht, daß ich glaube? Und wie können sie von mir verlangen, meinen Glauben aus meinem Alltag herauszuhalten? Wieso wird Glaube von Außenstehenden so einseitig gesehen?


ImageAber auch „interne“ Kritik wird laut. Denkverbote tun weh, manche Handlungsanweisung will man einfach nicht befolgen. Selbstbestimmt und verantwortlich handeln, das ist das Ziel. Aber oft genug rennt man in der Institution Kirche vor Wände, reibt sich auf und verzweifelt. Es geht nicht um die ewige Frage nach dem Kondom, viel mehr geht um die vielen Kleinigkeiten im alltäglichen Umgang mit der Hierarchie. Es geht um das Bedürfnis nach Freiheit, nach Mitbestimmung, nach Kreativität, nach Flexibilität. Dinge, die in den alltäglichen Diskussionen mit angriffslustigen Außenstehenden meist nicht zur Sprache kommen.

Antworten?

Konkrete Antworten finde ich nicht. Aber Gesprächspartner, die ähnliches erlebt haben, die über ähnliche Fragen nachdenken, und es tut gut, über all das sprechen zu können. Den steinigen Weg nehme ich nicht mehr wahr, auch nicht den schweren Rucksack auf dem Rücken und die Blasen an den Füßen. Es gibt wichtigeres.


ImageAm späten Nachmittag sind wir in Marienthal. Viele Menschen erwarten uns dort. Vor dem Kloster wird das Kreuz behutsam in seinen Ständer gestellt. Im Klostergarten erwartet uns Gegrilltes und Salat. Der Abend endet mit einem Gottesdienst, zu dem ich leider nicht bleiben kann. Freunde melden mir später via SMS begeistert: „Der beste Gottesdienst jemals! So eine Stimmung!“ Für mich war es auch so schön. Das Gefühl dieses Tages, die Ruhe und die Zuversicht, die nehme ich mit in meinen hektischen Alltag. Auch jetzt noch, Tage danach, singt es in mir. „Einer hat uns angesteckt... und das Feuer brennt hell!“

(Inga Rapp)




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Last Updated ( Friday, 19 August 2005 )
 
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